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Presseberichte Projekt Frankfurt - Nordend

FR Frankfurter Rundschau vom 04.09.2006

Nachfrage nach Passivhäusern steigt
Die explodierenden Energiekosten lösen einen Ansturm auf Wohnungen in Passivhausbauweise aus. Die ABG Frankfurt Holding ist bundesweit Vorreiter. Mehr als 500 neue Objekte hat sie in Planung oder Bau. Auch der Bestand wird nun mehr und mehr energiesparend umgebaut.

Passivhäuser (FR)

Frankfurt - Reiner H. aus Nied hat gerade seine Jahresabrechnung vom Energieversorger Mainova erhalten. Mehr als 400 Euro muss er nachzahlen, sein monatlicher Abschlag wurde um fast 20 Prozent heraufgesetzt. Familie H. lebt in einer Vier-Zimmer-Altbau-Wohnung, "wir achten wirklich auf unseren Energieverbrauch - und das ist ein absoluter Tiefschlag". Ein Kurzurlaub im Herbst ist erst mal gestrichen. Und Familie H. wird sich auf Wohnungssuche begeben: "Wir möchten in ein Passivhaus."

Familie H. ist nicht die einzige, die angesichts der explodierenden Energiekosten an einen Umzug denkt. Makler berichten von einer enormen Nachfrage nach "Niedrigenergieobjekten", wobei zwischen Niedrigenergiehäusern und Passivhausbauweise zu unterscheiden ist. Nahezu der einzige Anbieter für das besonders energiesparende Passivhaus in Frankfurt ist die städtische ABG Frankfurt Holding. Sie hat schon früh auf diesen Trend gesetzt, der Ende der 90er und Anfang 2000 noch als "Öko-Nische" verschrien war, sagt ABG-Geschäftsführer Frank Junker. Auch er selbst sei anfangs "sehr skeptisch" gewesen, habe sich aber von Experten restlos überzeugen lassen.

Einsparungen bis zu 90 Prozent

Jetzt heißt es bei der ABG: Neubau nur noch in Passivhausbauweise, bestehend aus hoher Wärmedämmung und spezieller Lüftungstechnik. Die Einsparungen sind enorm: laut Passivhaus-Institut in Darmstadt um bis zu 90 Prozent. Angefangen hatte die ABG 2000 / 2001 mit 19 Eigentumswohnungen in Passivhausbauweise an der Grempstraße in Bockenheim. Mittlerweile sind weitere 150 Wohnungen (Miet- und Eigentum) an der Sophienstraße so gut wie fertig. Es ist das "größte Passivhausprojekt im Geschosswohnungsbau in Deutschland" sagt die ABG. Auf dem Areal des ehemaligen Straßenbahndepots in Bornheim werden jetzt 160 Passivhaus-Wohnungen entstehen, ebenfalls Miet- und Eigentumswohnungen. Ein ganz neues Projekt hat die ABG gerade erst beschlossen: Sie wird auf dem ehemaligen Areal der US-Army an der Ecke Bremer Straße / Hansaallee rund 200 Wohnungen errichten - alle in Passivhausbauweise. Daneben gibt es eine Reihe kleinerer Objekte wie etwa im Hühnerweg in Sachsenhausen.

Obwohl es günstige Baufinanzierungen über die Kreditanstalt für Wiederaufbau gibt, ist die Passivhausbauweise bei privaten Anbietern noch wenig beliebt. Am Riedberg errichtet aber die Ulmer Baufirma Wenzel + Partner 55 Reihenhäuser. Die Bautechnik setzt sich bei öffentlichen Gebäuden mehr und mehr durch: Die Stadt errichtete inzwischen am Riedberg die erste Grundschule samt Turnhalle in Passivhaus-Bauweise, die Schule am Frankfurter Bogen in Preungesheim ist im Rohbau fertig, eine Kita in Schwanheim beschlossen. Die Frankfurter Passivhaustechnik macht nach Angaben der Stadt Schule. Es gebe "Anfragen aus der ganzen Republik". "Einen ganz neuen Weg - bundesweit einmalig" beschreitet die ABG außerdem bei ihren vorhandenen Bauten. In der Tevesstraße im Gallus ist ein Block aus den 50er Jahren mit 56 Wohnungen saniert und auf Passivhausstandard "umgerüstet" worden. Die Holding plant nun weitere Sanierungen älterer Bestände zum Passivhaus. Unter anderem im Riederwald in der Iselinstraße sowie im Block an der Münzenberger-/ Butzbacher Straße in Bornheim. Bei allen 50 000 Wohnungen, die der Holding in der Stadt gehören, wäre das allerdings nicht möglich. Denkmalschutz, Baustruktur und Architektur verhinderten dies.
Jutta Ochs

Energiesparen durch Bautechnik

Passivhäuser funktionieren durch dreifach verglaste Fenster und extreme Dämmung ("Thermoskanneneffekt") sowie eine spezielle Lüftung mit Wärmefilter. Laut Passivhausinstitut Darmstadt, das die Bauten zertifiziert, werden 80 Prozent der Heizkosten gegenüber einem Niedrigenergiehaus und 90 Prozent gegenüber einem herkömmlichen Gebäude eingespart.

Heizkosten: Grob gerechnet fallen im üblichen Wohnungsbau für eine 100-Quadratmeter-Wohnung 100 Euro pro Monat an. Im Passivhaus sind es sechs. Bedenken, die Bauweise sei sehr teuer oder könnte Allergikern schaden, sind ausgeräumt, die Technik hat sich zudem stetig verfeinert.

Infos zu Energiesparen allgemein und zum Passivhaus bietet das Energiereferat, Telefon 2 12-3 91 93, Internet: www.energiereferat.stadt-frankfurt.de. Infos der Holding unter Telefon: 26 08-2 45.

 

Kommentar Passivhäuser

Effektiv

Es gibt derzeit wohl kaum jemanden, der nicht mit einem unangenehmen Vorgefühl die Jahresabrechnung seines Energieversorgers öffnet - und dann seine schlimmsten Befürchtungen bestätigt sieht. Die Nebenkosten machen angesichts der stetig steigenden Energiepreise bereits beinahe eine zweite Miete aus. Es ist nicht zu erwarten, dass sich daran etwas ändert - im Gegenteil. Kein Wunder also, dass Interessenten für Miet- und Eigentumswohnungen in Passivhausbauweise bei der ABG Frankfurt Holding bereits Schlange stehen. Der Energiespareffekt ist enorm - und umweltschonend.

Die städtische Wohnungsgesellschaft, die größte in Hessen, hat auf den richtigen Trend gesetzt und marschiert auch bundesweit an der Spitze der Passivhaus-Bauherren. Für Frankfurt und seine Bewohner ist das ein Glück. Bedauerlich ist, dass die energiesparende Bautechnik nicht stärker von anderen Gesellschaften, von privaten und öffentlichen, aufgegriffen wird. Die Nassauische Heimstätte, zweitgrößte in Hessen, hat immerhin mit ersten Projekten, unter anderem in Eschborn, begonnen. Dabei gibt es gar keinen Grund für Investoren, sich dem Thema nicht zu nähern. Der Passivhaus-Bau ist nur noch marginal teurer als der herkömmliche.

Und er bietet die Gewissheit, siehe Holding, dass sich Interessenten förmlich um die Angebote reißen.
Von Jutta Ochs

 

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